GRENZEN SETZEN MIT HOCHSENSIBILITÄT – PART ZWEI: WORAUF ES ANKOMMT.

Du kennst nun die wichtigsten Schwierigkeiten, die Hochsensible haben können, wenn sie Grenzen setzen:

  • sie fühlen eigene Gefühle zu wenig und sind sich weniger klar über den eigenen Bedürfnissen.
  • hohe Empathie
  • Überforderung durch zu viele Eindrücke
  • komplexes Denken und Selbstreflexion
  • Bedürfnis nach Harmonie (oft unbewusst)
  • ausgeprägte Phantasie.

Worauf kommt es also an, wenn wir gute und klare Grenzen setzen wollen?

1. Klarheit über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Deine Gefühle zeigen dir, was deine Bedürfnisse sind. Wenn du sie wahrnimmst und erkennst, welche Botschaft sie dir bringen, kannst du entsprechend Grenzen ziehen. Freude zeigt, dass alles passt, Traurigkeit dagegen, dass etwas nicht so ist, wie du es möchtest, aber annimmst, dass du es nicht ändern kannst, während Ärger oder Wut anzeigen, dass da etwas ist, was geändert werden gehört. Es ist also wichtig, die eigenen Gefühle zu fühlen, sie zu erkennen, ihre Botschaft zu erkennen und sie zu hinterfragen, bevor man handelt.

2. Innere Ruhe. Das Ankommen bei dir selbst und das Erschaffen von innerer Ruhe sind die Basis, um klar zu denken, Gefühle zu sortieren und dann bewusst Grenzen zu setzen. Wenn ich völlig überlastet bin, bin ich viel angreifbarer für die Worte anderer und tappe leichter in die Falle des „es allen rechtmachen“. Sorge dafür, dass du ausgeglichen bist.

3. Gesunder Abstand. Dieses Thema ist kritisch, denn, wenn mir Leid begegnet, denke ich immer, ich kann und muss die ganze Welt retten. Das stimmt natürlich nicht. Um mich nicht zu verzetteln und zu überfordern, muss ich meinen klaren Verstand einschalten und etwas Abstand gewinnen. Sehr geholfen hat mir die Erkenntnis: anderen zu viel zu helfen bedeutet, sie kleinhalten. Wenn immer jemand für sie in die Bresche springen, können sie nicht lernen, selbst für sich zu sorgen.

4. Liebevolle Einstellung zu dir selbst. Du kannst sehr selbstkritisch sein, und das ist an vielen Stellen gut, wenn es darum geht, dich weiter zu entwickeln. Frage dich aber auch immer wieder, was du brauchst, um zu gedeihen, und nimm dir vor, es zu tun. Nimm deine Fehler an und gib dir selbst das Verständnis, das du anderen Menschen schenkst.

5. Klare Entscheidung über deine Handlungen. Empathie und der Wunsch nach Harmonie stehen dir bei der Grenzziehung im Weg. Wenn du durch Klarheit, inneren Frieden, gesunden Abstand und liebevolle Einstellung zu dir selbst, Grenzen setzen willst, musst du dafür einen festen Entschluss fassen, wenn jemand die Grenze übertritt. Die Menschen spüren die Entschlossenheit, und mir ist es oft passiert, dass sie einfach „ok“ gesagt haben. Spüren sie, dass ich zögere, fangen sie an, mir zu erklären, warum meine Grenze nicht sein sollte.

6. Konsequenz. Manche Menschen werden trotz deiner Entschlossenheit und deiner klaren Formulierung über die gesetzte Grenze gehen. Manche versuchen es beifällig, freundlich, wie zum Beispiel die Chefin, die nochmal nachfragt, ob du nicht ausnahmsweise diesen Monat noch Überstunden machen könntest. Manche ganz dreist, in dem sie es einfach tun: „Ich habe dich für das Sommerfest am Kuchenstand eingetragen“, oder der Mann, der nochmal fremdgeht. Das ist jetzt die wichtigste Phase deiner Grenzsetzung! Wenn du hier nachgibst und keine Konsequenzen ziehst, darfst du wieder von vorne anfangen. Wenn du durchhältst, gewöhnen sich die Menschen daran, dass du standhaft bist, und akzeptieren in Zukunft diene Grenzen leichter. Nicht nur du hast mehr Übung mit der Zeit beim Grenzen setzen, auch die anderen haben mehr Erfahrung damit, sie von dir anzunehmen. Überlege dir also im Vorfeld, wie die Konsequenzen aussehen und achte darauf, dass du standhaft bleibst.

7. Eine Form der Grenzsetzung, die deiner Natur entspricht. Unfreundliche Neins liegen mir nicht. Wenn ich zu lange mit der Grenze gewartet habe, explodierte ich, Dann wurde die Grenze unschön und ich habe mich geschämt, was wiederum dafür gesorgt hat, dass ich die Grenze wieder aufgeweicht habe. Ich habe lange geübt, Grenzen freundlich aber bestimmt aufzuzeigen. Wenn für mich sinnvoll, biete ich eine Alternative an. Beispiel: Meine Freundin sagt, sie möchte gern mit mir in die Berge. Das kostet mir zu viel Zeit. Also schlage ich vor, an einen anderen Tag ins Café zu gehen. Mit deiner Empathie kannst du schlechte Nachrichten gut verdaulich mitteilen. Also ein „nein“ einfühlsam verpacken. Suche die für dich passende Form, Grenzen zu setzen. Bei komplexen Themen schreibe ich gerne Briefe.

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