Zarte Präsenz

Meine Katze, die beobachtet hat, wie ich mich an den PC gesetzt habe und sich nun mit langsamen Bewegungen herantastet, mit der Pfote sachte meine Hand berührt und mich intensiv ansieht, übt sich gerade in zarter Präsenz.

Zarte Präsenz ist eine besondere Form der Präsenz, die sich nicht einfach nur selbst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt, sondern sich gleichzeitig für andere Wesen und Menschen sowie für die Umgebung öffnet. Eine sehr feinfühlige, aufnehmende Form der Präsenz. Eine sehr weibliche Form.

Eine Form, die in der heutigen Zeit nicht so gefragt ist. Die lauten Stimmen, die Menschen, die sich in den Mittelpunkt stellen, sind in den Medien präsenter als die Menschen der leisen Töne. Es sieht auch so aus, als würden sie erfolgreicher sein. Allerdings – was bedeutet Erfolg?

Ich bin überzeugt, wir müssen Erfolg neu betrachten. Aus der individuellen Ebene aussteigen und anfangen, global zu denken. Echter Erfolg ist nur, wenn jedes Lebewesen so gut wie möglich lebt. Das ist so ein großes Ziel, dass es uns überfordert. Aber im Kleinen angefangen, im eigenen Umfeld, bewegt das schon viel. Was, wenn ich mich darin übe, mich zu fragen „was brauche ich, und was dient mir?“ und gleichzeitig mich mit der Welt verbinde und mich frage, „Was braucht sie, was dient ihr, was dient den Menschen und Lebewesen um mich?“ Dies ist nur aus der Präsenz im Hier und Jetzt, die eine der Hauptsäulen von zarter Präsenz ist.

Zarte Präsenz hat zwei Hauptsäulen. Die erste Säule ist die des Seins im Hier und Jetzt, das Sich-ganz-einlassen auf das Spüren, das Fühlen, das Empfangen und das Sein im Augenblick.

Wir werden heute so sehr in Anspruch genommen, sei es vom Smartphone, von den Medien allgemein, vom Job, und meistens wird Multitasking erwartet. Wir sind nicht mehr daran gewöhnt, in einer einzigen Tätigkeit voll aufzugehen. Auch achten wir auch nicht auf die Unterschiede zwischen Wahrnehmung mit den Sinnen und das Wahrnehmen eigener Gefühle. Was wir aber nicht unterscheiden neigt dazu, uns zu überrennen. Wir tun uns dann schwer, klar zu sehen.

Die zweite Säule der zarten Präsenz ist die Authentizität. Jeder von uns ist besonders im Sinne von einzigartig. Wie du die Welt erlebst, wird durch dein Wesen gefärbt und ist einmalig. Das gilt allerdings für jedes Wesen. Jedes ist kostbar und einzigartig.

Genauso ist deine Art, der Welt zu begegnen, all das, was du mitzuteilen hast, einzigartig. Jeder von uns ist ein Spiegel der Welt, und jeder spiegelt auf einzigartige Weise. Wenn du dich ausdrückst, teilst du deine Einzigartigkeit. Dein Ausdruck der Welt macht das Gesamtbild vollständiger. Fehlt dein Ausdruck, dann fehlt etwas Wesentliches.

Wenn die zwei Säulen, das Sein im Hier und Jetzt und die ureigene Authentizität, beide sein dürfen und sich verbinden, dann entsteht das Wunder einer stimmigen Präsenz, die der Welt etwas schenkt, statt sie zu belasten. Du bist berücksichtigt und die Welt ebenfalls.

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